Corona-Krise führt zu mehr Kinderarbeit im Kaffeeanbau

Sie fangen mit der Ernte an, wenn sie groß genug sind, um die Zweige mit Kaffeebohnen zu erreichen und alt genug, um zu erkennen, welche Beeren sie sammeln müssen. Kinder arbeiten in jedem Bereich der Kaffeeherstellung mit: Kaffee sammeln, sortieren, putzen, Sträucher einsprühen, düngen und Bohnen transportieren. Kinder müssen die gleichen Arbeitsbedingungen erleiden wie Erwachsene. Dabei sind sie viel anfälliger für Krankheiten und Unfälle. Kinder, die in der Kaffeeproduktion arbeiten, leiden häufig unter Malaria, Grippe und Lungenentzündung – und sie sind besonders anfällig für Covid-19!

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Spielen, lernen, unbeschwert sein – über 152 Millionen Kindern weltweit bleibt es verwehrt, ihre Kindheit auszuleben. Stattdessen ernten sie Kaffee, Baumwolle oder Kakao, klopfen Steine oder werden in gewaltsamen Konflikten instrumentalisiert. Am 12. Juni war der Welttag gegen Kinderarbeit, der auf diese Missstände aufmerksam macht. Vor allem in der Landwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländer müssen Kinder harte Arbeit leisten.

„Schulen sind geschlossen, es fehlt an Erntehelfenden und wenn ein erwachsenes Familienmitglied erkrankt, müssen oft Kinder die Arbeit übernehmen,“ erklärt Dieter Overath, geschäftsführender Vorstandsvorsitzender von TransFair – Fairtrade Deutschland. „Dazu kommt, dass durch Lock-Downs Kontrollen erschwert werden oder gar nicht stattfinden.“ Deshalb findet Aufklärungsarbeit bei Fairtrade-Organisationen derzeit beispielsweise über Radio oder die lokalen Gemeindezentren statt. Fairtrade-Produzentennetzwerke unterstützen wo immer möglich virtuell und in Zusammenarbeit mit lokalen Kinderschutzorganisationen.

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„Es gibt viele Partner, die mit ihrer Zusammenarbeit mit Fairtrade die Transparenz in ihren Lieferketten erhöhen, stabile Preise zahlen und langfristige Partnerschaften eingehen. Aber solange es keine Sanktionsmöglichkeit gibt, ist es billiger, auf Standards zu verzichten. Deshalb fordern wir ein Lieferkettengesetz. So können Unternehmen unbahängig von Staatsgrenzen zur Rechenschaft gezogen werden – zum Beispiel, wenn in Lieferketten ausbeuterische Kinderarbeit nachgewiesen wird.“

Unter den großen Röstereien in Deutschland setzt sich zum Beispiel Tchibo für ein Lieferkettengesetz ein. Erst im Januar forderte die Hamburger Großrösterei zusammen mit 42 anderen deutschen Firmen eine gesetzliche Regelung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten. Doch das Engagement geht noch weiter: vor einem Jahr startete Tchibo zusammen mit Fairtrade Deutschland ein umfangreiches Projekt in Honduras. Solche Maßnahmen sind während der Corona-Krise besonders wichtig, weil sie der Kinderarbeit im Kaffeeanbau direkt entgegenwirken.

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Bis wir ein flächendeckendes Lieferkettengesetz haben und sicher sein können, dass bei allem in Deutschland verkauften Kaffee die Kinder- und Menschenrechte eingehalten werden, bleibt es dem Verbraucher nur beim Kaffeekauf auf fairgehandelte Produkte zu setzen, bei denen auf Kinderarbeit ausgeschlossen ist. Nur so können wir verhindern, dass Kinder für unseren Kaffee arbeiten, statt eine Kindheit zu haben. In Corona-Zeiten ist ein Einkauf mit Verantwortung wichtiger denn je.

 

Steuerbefreiung für fairgehandelten Kaffee? Hier gibt es mehr zum Thema!

 

Bildrechte: Nathalie Bertrams/Fairtrade, Margit/Pixelio.de, TransFair e.V. /Hanna Witte, Dieter Schütz/Pixelio.de; Quellen: Fairtrade, TransFair, Tchibo, Original-Content teilweise von: TransFair e.V., übermittelt durch news aktuell.

 

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