Digitale Fernreise trotz Covid-19

Am Fähranleger von Iraklion, der Hauptstadt der griechischen Insel Kreta, ist gerade viel los, wWie immer, wenn gerade eine Fähre angekommen ist. An der Hauptstraße fahre ich erstmal rechts Richtung Westen, vorbei am großen Taxistand und den Ruinen der venezianischen Docks, über den Kreisel mit den Wasserfontänen und weiter an der Marina, am Yachthaven entlang, bis zu einen runden Platz, dem Kountourioti. Zur Seeseite hin ist ein kleiner Fischmarkt, dahinter die schmale, langgezogene Mole mit der kleinen Festung aus venezianischer Zeit und dem weißen Leuchtturm ganz am Ende.

Auf der Landseite ist das Restaurant von Kapitän Marineli Ioanni, das Ligo Krasi Ligo Thalassa, was übersetzt in etwa so viel bedeutet, wie „Ein bisschen Wein, ein bisschen Meer“. Hier lassen wir uns auf der Terrasse nieder, bestellen einen griechischen Kaffee, nehmen einen tiefen Zug von der salzhaltigen Luft, die nach Meer riecht, spüren die Sonne auf unserer Haut und hören das Rauschen der Wellen, das Brausen des Verkehrs. Vom Fährhafen her weht der Wind das Signal eines Schiffes her…

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Wie? Kreta-Urlaub trotz Corona? Wie geht das denn? Ganz einfach: mit Google Maps, einem Reiseführer und so vielen Accessoires wie nötig – oder möglich. Da wir ja physisch gerade nicht Verreisen können, machen wir das halt virtuell. Mit ein wenig Vorstellungskraft und etwas Geduld können wir uns in eine Urlaubswelt hineindenken, die uns sonst verschlossen bliebe.

Nach meinem Kaffee fahre ich Richtung Osten, biege nach dem Hafern rechts ab Richtung Autobahn. Mist, hier habe ich die Auffahrt verpasst. An der nächsten Ampel kann ich wenden und befinde mich so bald auf der A90 nach Agios Nikolaos, meinem heutigen Reiseziel. Aus dem Radio dudelt ein Lokalsender griechischen Pop, unterbrochen von Werbung, die ich – Gott sei Dank – nicht verstehe. Ich komme gut voran und fahre deshalb bis Malia durch. Hier habe ich meinen ersten Stop geplant.

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So funktioniert das: starten Sie auf Ihrem Computer Google Maps und gehen Sie zu einem Startpunkt Ihrer Wahl. Wenn Sie auf der Karte unten rechts einmal auf das kleine, orange Männchen klicken, werden blaue Linien eingeblendet. Hier ist das Google-Auto für den Street View gefahren und hier können Sie auch „fahren“. Das tun Sie in auf einen Punkt der blauen Linie klicken und so in den Street View wechseln. Jetzt können Sie sich die Straße entlang klicken und kommen mit jedem Klick ein bisschen weiter. Sie „reisen“.

Wie jedes Spiel, so braucht auch dieses Regeln. Mein Rat: legen Sie diese vor „Reiseantritt“ fest. Hier folgen eine Empfehlungen, wie diese Regeln aussehen könnten. Ich habe eine Straßenkarte von Kreta und mich schon etwas orientiert, wo ich eigentlich hin will. Darüber hinaus habe ich parallel Google Maps in der normalen Kartenansicht laufen, so dass ich, ohne meine bis dahin erreichte Position zu verlassen, leicht hin und her wechseln kann, zum Beispiel um den Überblick zu behalten. In Städten klicke ich mich immer nur ein kleineres Stück vorwärts, auf der Autobahn können die „Sprünge“ größer sein. Wie im „richtigen Leben“. Da fahre ich auf der Autobahn ja auch schneller, als in der Stadt. Apropos: Auf Autobahnen werden Sie manchmal notgedrungen zum „Geisterfahrer“. So überholen Sie wenigsten alle. Nur müssen Sie sich daran gewöhnen, dass Ihnen ständig das gleiche Auto entgegen kommt. An das Fahren auf der falschen Seite gewöhnen Sie sich bitte nicht!

Es gibt natürlich auch andere Hindernisse. Wie gehe ich mit Einbahnstraßen um? Was mache ich, wenn ein Ort nicht erreichbar ist? Meine Empfehlung: Einbahnstraßenregelungen befolge ich, wo es möglich ist. Vereinzelt gibt es in Gegenrichtung eine Lücke in der Erfassung. In Malia zum Beispiel komme ich zwar von der Autobahn bis in die Altstadt, an den Strand komme ich aber nur, in dem ich direkt dahin „springe“. Sinnvoll ist es auch eine Regelung für Pausen zu treffen. Einfach Aufstehen können wir nämlich nicht, denn in Gedanken befinden wir uns ja gerade im Auto. Wenn ich also einen Kaffee trinken oder eine Pause machen möchte, dann muss ich mich dazu vor einem Café oder auf einem Parkplatz befinden.

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Oft weisen einen Wegweiser auf Sehenswürdigkeiten hin, zum Beispiel auf die Moní Agíou Georgíou Selinári. Hier werfe ich einen Blick auf die Kartenansicht und entscheide, ob ich dort „anhalten“ will. Entscheide ich mich für einen Stop, dann lese ich mir in aller Ruhe Wikipedia- oder Reiseführereinträge dazu durch oder schaue mir auf Google die Bilder dazu an. Wie bei einer richtigen Besichtigung. Danach geht die Reise weiter.

Natürlich können Sie versuchen Ihr „Reiseerlebnis“ zu perfektionieren. Ich suche mir übers Internet einen lokalen Sender, wie ich ihn auch vor Ort einschalten würde und lasse ihn nebenbei mitlaufen. Nach den Bildern vom Strand von Malia habe ich erstmal auch einen Spaziergang in der Sonne gemacht. Für meinen Aufenthalt am Hafen von Iraklion habe ich mir einen griechischen Kaffee gemacht – und natürlich getrunken. Wie realistisch Sie Ihren Urlaub gestalten wollen liegt bei Ihnen und Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sie haben Hunger? „Gehen“ Sie essen! Kochen Sie sich etwas Griechisches oder lassen Sie es sich von einem griechischen Restaurant liefern. Genießen Sie es während des simulierten Stopps an einer Taverne am Wegesrand.

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Sie sind natürlich nicht verpflichtet Ihren virtuellen Urlaub in Griechenland zu verbringen. Nehmen Sie doch Italien, Mallorca oder Vietnam? Passen Sie aber Ihre „Requisiten“ entsprechend an: Café latte, Café con leche oder Phin-Kaffee. Anregungen finden Sie hier im Blog!

In Agios Nikolaos angekommen habe ich mir ein schönes Café am Hafen gesucht und einen Café frappé gemacht. Im Street View habe ich mir ein schönes Café ausgesucht, das Asteria, direkt am Meer und an dem kleinen Kanal, der das Meer und den Voulismeni-See miteinander verbindet. Die Nachmittagssonne ist schon heiß und kräftig, auch schon im Frühjahr, weshalb es sich im Schatten der großen weißen Sonnenschirme ganz angenehm sitzt. Von der See her weht eine leichte Brise. Irgendwo schreien Möwen. Der Kellner bringt mir meinen Frappé, dazu muss er die Straße überqueren, die Terrasse und Taverne voneinander trennt. Kühl, stark und leicht süß schmeck mein Getränk, klar, habe ich es doch auch „metrio“ bestellt. Dazu ein Glas kaltes Wasser. Während ich Schiffe beobachte geht der Tag langsam zu Neige…

Und wissen Sie was? Am nächsten Tag habe ich mich auf die nächste Etappe gemacht, vorbei an einigen Sehenswürdigkeiten, antiken Städten und sonnigen Stränden, bis nach Sitia… Καλό ταξίδι – Gute Reise! Und: Παρακαλώ παραμείνετε υγιείς! Bitte bleiben Sie gesund! 

 

 

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