Kaffeereise: Kos

Osterferien – und wir müssen daheim bleiben. Mit Verreisen ist ja wohl erstmal eher nichts. Aber davon lassen wir uns die Ferienlaune nicht verderben. Wenn wir nicht selbst in die Ferne schweifen können, dann machen wir es wenigstens in Gedanken. Denn die sind ja bekanntlich frei! Also verreisen Sie mit mir an einige der schönsten Kaffee-Orte Europas!

Wo wäre es jetzt besser, als auf einem Eiland in der Ägäis? Unser zweites Reiseziel ist die Insel Kos. Bevor wir uns Kaffee und Kuchen widmen, zuerst etwas Kultur: Kos war in hellenistischer Zeit der Sitz einer Ärzteschule. Hier begegnet uns der berühmte Arzt Hippokrates in den Namen von Strassen, Plätzen und Tavernen und einigen Hot-Spots für Touristen, denn zumindest ist gesichert, dass der Mediziner, auf den der Eid, den alle Ärzte ablegen müssen, zurückgehen soll, auf Kos gelebt und gewirkt hat. Beeindruckend das Asklepieion von Kos, ein an der Stelle eines Apollon-Haines erbautes Heiligtum des Asklepios, dem Gott der Heilkunde, umgeben von mit Zypressen bewaldeten Hügel und auch in seinem nunmehr rudimentären Zustand schon ob seiner Größe beeindruckend.

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Ebenfalls sehenswert sind die Ausgrabungsstätten von Kos-Stadt. Wenn auch etwas unordentlich und nur zum Teil rekonstruiert, erlauben sie mit etwas Vorstellungskraft einen Einblick in das antike Kos. Da sind zwei großflächige Gymnasien – zur damaligen Zeit Sportstätten mit Badehäusern und Thermen – mit großzügigen Wandelhallen. Die vier rekonstruierten Säulen waren Teil einer Wandelhalle mit 81 dorischen Säulen. Es gab auch eine überdachte Laufbahn von 150 Metern Länge. Von Süden nach Norden verläuft die Via Cardo, eine antike, römische Straße. Sie besaß Bürgersteige an beiden Seiten der Fahrbahn, in die Wagenräder ihre Spuren eingekerbt haben. Sie mündete in die damalige Hauptstraße, die Via Decumana, die zur damaligen Zeit von Säulenhallen gesäumt war. An der Via Cardo liegen die Reste einer byzantinischen, frühchristlichen Basilika und ein rekonstruiertes Nymphaeum, eine Mischung aus Kultstätte und Wasserversorgung.

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Eine Maueröffnung erlaubt den Blick in einen von Säulen umrandeten Innenhof, in dem einst drei Wasserbecken standen. Hier wurden Nymphen verehrt. anmutige, weibliche Naturgottheiten niederen Ranges und galten als – vorwiegend – wohltätige Geister, sterblich zwar, aber mit einem sehr langem Leben fast unsterblich und oft Begleiterinnen höher Gottheiten. Wer über das Gelände geht, der sollte allerdings vorsichtig sein. Hier gibt es Löcher, die so groß sind, dass man darin verschwinden könnte – um Archäologen späterer Generationen Rätsel aufzugeben. Wer aber den Löchern geschickt ausweicht, der kann sich mit etwas Phantasie vorstellen, wie das Leben hier während der Antike pulsiert haben muss…

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Einer der schönsten Orte der Insel aber ist Palio Pyli. Die Straße von Aminoy kommend endet mehr oder weniger an einem Parkplatz unterhalb von Ort und Burg. Ein Wegweiser weist den Berg hinan, der letzte Wegweiser seiner Art, weshalb die Wanderung im Trial-and-Error-Verfahren – zu deutsch durch Versuch und Irrtum – durchgeführt werden muss. Schon nach wenigen Metern über dem Parkplatz beginnen die ersten Ruinen von Häusern. Zu seiner Blütezeit vor 500 Jahren muss das – für damalige Verhältnisse – große Stadt gewesen sein. Zuerst erreicht man eine von vier wieder aufgebauten Kapellen. Dann sind es nur noch einige Schritte bis zu einer Art Marktplatz. Von dort beginnt der mühsamste Teil des Weges hinauf bis zur eigentlichen Burg.

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Die ist wohl um einiges älter als das Dorf zu seinen Füßen. Wohl um das Jahr 1.000 errichteten Ritter aus Byzanz die strategisch perfekt gelegenen Festung. von dort kann man weit in die Ferne sehen, ist aber selbst fast unsichtbar. Und ein Aufstieg ist beschwerlich und das letzte Stück Weges so eng, dass man mit einem Pferd wohl kaum voran kommt. Entlang des Hanges geht es steil hinauf und nach eine Kehre geht es dann schließlich durch das byzantinische Tor, nur um sich dann auf der anderen Seite des Gipfels weiter nach oben zu winden. Auch hier finden sich die Wappen längst vergangener Geschlechter. Doch wer die Bergspitze erreicht, den belohnt ein Blick weit über Kos hinaus. Da stört es kaum, dass die Anlage nicht gesichert ist und finstere Löcher aufweist, in denen man für immer verschwinden könnte, aber das kennen wir ja schon.

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Auch erkennt man nur von hier wie weitläufig die Festungsanlagen einst waren. Sie erstrecken sich auf der ganzen Front zum Meer hin bis auf den nächstgelegenen Hang. So waren es auch nicht Feinde oder Piraten, die Burg und Stadt den Gar ausmachten, es war die Cholera, die hier 1830 wütete. Hat man Auf- und Abstieg überstanden, dann lohnt ein Besuch der Taverne auf einer Anhöhe gegenüber der Burg. Schon von weitem weht einem griechische Popmusik entgegen. Der letzte Anstieg raubt die letzten Kräfte, doch Blick und Bewirtung entschädigen für alle Mühen.

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So, am Anfang habe ich Kaffee und Kuchen versprochen. Hier oben auf dem Berg gibt es Cafè Frappé und – eine ganz besondere Sache – frischen griechischen Joghurt mit Honig von der Insel und Rosinen. Für den Kuchen muss man wieder zurück ins Tal. Drei Möglichkeiten für Kaffee und Kuchen sind dabei besonders erwähnenswert. Zum einen die Konditorei Arvanitakis in der Meg. Alexandrou von Kos. Zur Konditorei kommt man, wenn man vom Mandraki-Hafen stadtauswärts fährt auf der rechten Seite an der zweiten kleinen Kreuzung. Hier findet man eine typisch griechische Konditorei, wie sie derzeit immer mehr Verbreitung finden.

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Zum anderen die Große Mühle bei Kefalos. Das Café wird von zwei Deutschen geführt, Petra und Dietmar, die hier auf der Insel heimisch geworden sind. Übrigens der einzige Ort auf der Insel mit ordentlichem Filterkaffee. Und schließlich die Konditorei von Platani, ein Dorf, dass auch ohne große Sehenswürdigkeiten von Reisenden unbedingt besucht werden sollte! Hier lebt friedlich mit ihren griechischen Nachbarn eine türkische Gemeinde. Die Restaurants hier heißen Arap, Hasan und Serif und bieten eine türkisch geprägte Mittelmeerküche. Das vierte Haus am Platz ist besagte Konditorei – eine der besten der Insel.

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Wer es aber noch typischer will, der muss unbedingt ein Bougatsa in der Patisserie Ariston probieren, ein traditionelles, griechisches Gebäck aus Blätterteig mit Gries gefüllt und mit Honig überzogen, das besonders in Nordgriechenland rund um Thessaloniki verbreitet ist. Die Bougatsa kann sowohl als Süßspeise mit Creme oder Grießpudding als auch herzhaft mit Käse, Hackfleisch oder Spinat gefüllt werden. Die Patisserie Ariston liegt in der Altstadt von Kos-Stadt auf dem Eleftherias Platz und im kühlenden Schatten der Arkaden.

 

Kaffee trinken, wo Mussolini, Einstein, Klaus Mann und Friedrich Dürrenmatt sich die Klinke in die Hand gaben. Morgen geht es nach Zürich in die Schweiz. Zurück ins Markgräfler Land geht es hier!

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