Kurze Kaffee-Kulturgeschichte VIII – Es ist noch Kaffeesuppe da!

Während der „Industriellen Revolution“ wurde der Kaffee zum Produkt für die Masse. Das Heer der Arbeiter musste sich irgendwie versorgen. Da war Kaffee recht und billig. Als Frühstück,  Heißgetränk oder „Kaffeesuppe“ – manche brockten sogar Brot ein, damit die „Speise“ nahrhafter und gehaltvoller wurde. Schon im Mittelalter war Suppe das übliche Frühstück. Im 17. Jahrhundert kam dann mehr und mehr die preisgünstige Kaffeesuppe auf.

In den neuen Industriezentren, wie zum Beispiel in Hamburg, gab es Volks-Kaffee-Küchen, wo sich die ärmere Schicht mit Kaffee und vor allem im Winter mit Wärme versorgen konnte. Heizen in der eigenen Wohnung konnte man sich oft nicht leisten, eine Tasse Kaffee schon eher. Für viele verarmte Arbeiter war Kaffee oft die einzige warme Mahlzeit des Tages. Und die konnte von morgens bis abends und wenn möglich auch mehrmals eingenommen werden.

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Außerdem erfüllten die Kaffeestuben der damaligen Zeit eine wichtige soziale Funktion: man war unter Leuten. Natürlich nicht bei weitem so luxuriös, wie in den Wiener Kaffeehäusern, aber für viele die einzige warme „Mahlzeit“ des Tages. Da Bohnenkaffee teuer war, wurde das Kaffeemehl oft mit „Ersatzkaffee“, meistens Gerste oder Zichorie versetzt. Manches Gebräu hatte mit echtem Kaffee nur den Namen und die Farbe gemein. Was der Beliebtheit kaum Abbruch tat.

Aber einen Zweck erfüllten die Volkskaffeeküchen allemal: wer Kaffee trank, trank keinen Branntwein. Dieses Argument half den Kaffee manche Widerstande zu überwinden. Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten auch kirchliche oder anders religiös motivierte Organisationen daher die Volkskaffeeküchen als praktische Möglichkeit Gutes zu tun und gleichzeitig Menschen vom Alkohol fernzuhalten. In einer Schrift der Samariteranstalten heißt es: „Unsere Volks-Kaffee-Küche erfreut sich immer regeren Zuspruches. Meist sind es Arme, welche von den Wohlhabenden Kaffeemarken geschenkt erhalten haben, und Landleute, die vielfach den Aufenthalt in der Kaffeeküche dem Besuche einer Destillation vorziehen.“ Heute hat die Kaffeesuppe als Frühstücksmahlzeit allerdings ausgedient!

Morgen besuchen wie ein Kaffeekränzchen. Hier geht es zum Zusammenhang zwischen Kaffee und Bordell.

 

Titelbild: „Zu den blauen Flaschen“, Altwiener Kaffeehausszene, etwa 1900, gemeinfrei. Bild „Die Montagehalle der Maschinenfabrik Escher Wyss in Zürich in der Neumühle“, 874, Graphische Sammlung der Zentralbibliothek Zürich, gemeinfrei. Quellen: „120 Jahre Samariteranstalten“, Wikipedia, „Das Wiener Kaffeehaus“, Birgit Schwanner, K.-M. Westermann, Pichler Verlag, „Das Wiener Kaffeehaus“, Goldmann Austriatica, „Kaffee und Kaffeehaus“, Ulla Heise, Komet.

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