Kurze Kaffee-Kulturgeschichte VII – Das Kaffeehaus als Bordell

Die ersten Kaffeehäuser in Europa unterschieden sich stark in ihrer Ausrichtung. Es gab luxuriöse Salons für die Oberschicht und finstere Gewölbe für das gemeine Volk. In der Tat glichen viele davon eher rustikalen Wirtshäusern, dunkle Kaschemmen, nur spärlich mit Kerzen erhellt. Von anderen Gasthäusern und Herbergen jener Zeit dürften sie sich oft nur wenig bis gar nicht unterschieden haben.

Üblich war es auch, dass man dort nicht nur Kaffee bekam, sondern auch – wenn gewünscht ein Bett. Viele von ihnen waren deshalb einer Herberge näher, als einem heutigen Kaffee. Dazu kam, dass nicht alle dieser Keller und Gewölbe im besten Ruf standen. So hielt sich bis ins 20. Jahrhundert hinein das Gerücht, dass die Damen, die dort arbeiteten, für ein paar Kreuzer zu allem bereit seien. In vielen Fällen dürfte es sich um üble Nachrede gehandelt haben, in anderen war es aber bestimmt zutreffend. Schließlich waren in manchen Kaffeegewölben die Löhne nicht gerade üppig.

Kleehaas_In_der_Wirtsstube

Manch Cafétier scheint wenig bis gar nicht gegen diesen Ruf unternommen zu haben. Vielleicht, weil er an dem liederlichen Treiben finanziell beteiligt war. Auch frönte man auch dem Glücksspiel. Um dieser Unordnung entgegen zu wirken, durften in Wien zum Beispiel Kaffeehäuser lange Zeit im Erdgeschoss betrieben werden und es war untersagt die Fenster mit Läden zu verschließen. Was dann wohl zur Erfindung des Hinterzimmers führte.

Tatsächlich dürften einige Bekanntschaften, Liebschaften und Ehen ihren Ausgang im Café genommen haben – auch in den besseren Häusern – war es doch, nachdem Frauen in Kaffeehäusern als Gäste erlaubt waren, der ideale Ort um auf Brautschau zu gehen. Bis eine Dame allerdings auch alleine in ein Café gehen konnte, also ohne zusätzliche Anstands-Begleitung, sollte es noch etwas dauern. So ungefähr bis beinahe heute.

Zu patriotischen Amerikanerm geht es hier! Morgen erfahren wir mehr über den Kaffeekonsum während der Industriellen Revolution.

 

Titelbild: „Zu den blauen Flaschen“, Altwiener Kaffeehausszene, etwa 1900, gemeinfrei. Bild „In der Wirtsstube“ circa 1900 von Theodor Kleehaas, gemeinfrei. Quellen: Wikipedia, „Das Wiener Kaffeehaus“, Birgit Schwanner, K.-M. Westermann, Pichler Verlag, „Das Wiener Kaffeehaus“, Goldmann Austriatica, „Kaffee und Kaffeehaus“, Ulla Heise, Komet.

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