Kurze Kaffee-Kulturgeschichte V – Die Kaffeeschnüffler des Königs

Dass sich der Kaffee als Getränk für die breite Masse in Europa anfangs schwer tat, dass war auch zahlreichen Gesetzen und Verboten geschuldet. So stritten sich über Jahrzehnte hinweg Gewürzhändler, Apotheker, Krämer, er und Wirte, wer Kaffee handeln oder verkaufen darf.

In Paderborn kam es 1785 sogar zu einer Kaffeerevolution. Schuld war eine Verordnung von 1777, nach der das Trinken von Kaffee nur Adeligen, Klerikern und höheren Beamten gestatten war. Nur scherte sich niemand darum, bis Fürstbischof Ludwig ernst machte und daran ging, sein Verbot auch durchzusetzen. Dies missfiel dem „Dritten Stand“, der daraufhin ein nächtliches öffentliches Kaffeegelage veranstaltete. Der Fürstbischof rief die Armee zu Hilfe, die aber nur kam, aber nicht unternahm. Ludwig verstand die Botschaft. Zwar hielt er um das Gesicht zu wahren sein Verbot formal aufrecht, unterlies es aber es auch anzuwenden.

Ein Nutznießer von Verboten und Kaffeesteuern war Friedrich der Große. Zur Finanzierung seiner Armee machte er 1766 Kaffeehandel zum Staatsmonopol, 1780 wurde privates Kaffeerösten verboten. Wer rösten wollte, der brauchte einen sogenannten Brennschein, den es nur für Geld – oder mit guten Beziehungen – gab.

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Durchsetzen sollten das Verbot des Königs Kaffeeschnüffler, Zolleinnehmer mit schier uneingeschränkter .Machtfülle. Sie durften das Gepäck von Reisenden durchsuchen, Wohnungen aufbrechen und dergleichen mehr. Willfähriges Fußvolk der Zöllner war eine Garde aus Invaliden und ehemaligen französischen Soldaten. Nach französischem Vorbild entstand eine Behörde geführt von fünf Regisseuren, zwölf Directeurs und einem Heer von Inspecteurs, Controleuers, Visitateurs und Blombeurs, alle angetrieben von der Aussicht auf Fangprämien.

Kein Wunder, dass die Kaffeeschnüffler, denn sie erschnüffelten regelrecht, wo schwarz geröstet wurde, bei ihrer Arbeit nicht gerade zimperlich vorgingen. Was den Unmut in der Bevölkerung erhöhte. So dauerte die Periode der Preußischen Kaffeeregie nur sieben Jahre bis 1787. Wobei, die Kaffeesteuer gibt es noch heute uns spült alljährlich über eine Milliarde Euro in die deutsche Staatskasse.

Zu Wien unter der Belagerung durch die Türken geht es hier! Morgen begegnen wir patriotischen Amerikanern.

 

Titelbild: „Zu den blauen Flaschen“, Altwiener Kaffeehausszene, etwa 1900, gemeinfrei. Bild „Die Kaffeeriecher“, nach einem Gemälde von L. Katzenstein, Bild aus Seite 257 in „Die Gartenlaube“, gemeinfrei. Quellen: Wikipedia, „Das Wiener Kaffeehaus“, Birgit Schwanner, K.-M. Westermann, Pichler Verlag, „Das Wiener Kaffeehaus“, Goldmann Austriatica, „Kaffee und Kaffeehaus“, Ulla Heise, Komet.

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