Kurze Kaffee-Kulturgeschichte III – Die Hühnersuppe der Kaufmannsgattin

Der Kaffee tat sich mit seiner Verbreitung in Europa Anfangs schwer. Die Berichte darüber sind allenfalls spärlich. Manch Kaufmann mag etwas von der Pflanze, aus deren gerösteter Bohne die Osmanen ihren Türkentrank brauen, mit nach hause genommen haben.

Belegt ist, dass bereits 1574 der in den Niederlanden lebende Botaniker Charles de Lécluse von einem italienischen Kollegen einen Kaffeestrauch zur Begutachtung zugeschickt bekam. Der Entdecker des menschlichen Blutkreislaufes, der englische Arzt William Haevery, soll zu den ersten regelmäßigen Kaffeekonsumenten gehört haben. Das war am Beginn des 17. Jahrhunderts.

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Nach und nach eröffneten die ersten Cafés in Europa: 1647 Venedig, 1650 Oxford, 1652 London, 1663 Amsterdam, 1671 Marseille, 1672 Paris, 1673 Bremen, 1677 Hamburg, 1685 Wien, 1686 Nürnberg, 1686 Regensburg, 1694 Leipzig, 1697 Würzburg, 1700 München, 1705 Prag, 1718 Erlangen und 1721 Berlin. Die ältesten heute noch bestehenden Kaffeehäuser sind angeblich das 1686 eröffnete „Café Procope“ in Paris und das Café „Zum Arabischen Coffe Baum“ in Leipzig, wo nachweislich seit 1711 Kaffee ausgeschenkt wurde.

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Natürlich stellte sich schon früh die Frage, in wieweit sich Kaffee als Handelsgut eignet. 1631 soll ein Merseburger Kaufmann von einem holländischen Händler Kaffee samt Anleitung zur Zubereitung erhalten habe. Dem schien Wasser als zu gewöhnlich, weshalb er seine Gattin anwies den Kaffee stattdessen mit Hühnerbrühe aufzugießen. Das Geschäft kam nicht zustande.

Es sollte allerdings nur noch Jahrzehnte dauern, bis der Kaffee in Europa seinen Siegeszug antreten konnte. Und daran sind wohl wieder die Osmanen nicht ganz unschuldig. Schließlich belagerten sie 1683 Wien – doch davon in drei Tagen mehr.

 

Titelbild: „Zu den blauen Flaschen“, Altwiener Kaffeehausszene, etwa 1900, gemeinfrei. Bild Café Procope, Paris, Magnus Manske/Wikipedia, Bild Museum Coffe Baum, Leipzig/Germany, Appaloosa/Wikipedia. Quellen: Wikipedia, „Das Wiener Kaffeehaus“, Birgit Schwanner, K.-M. Westermann, Pichler Verlag, „Das Wiener Kaffeehaus“, Goldmann Austriatica, „Kaffee und Kaffeehaus“, Ulla Heise, Komet.

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