Kurze Kaffee-Kulturgeschichte II – Erste Kaffeehäuser im Orient

Ob nun mit oder ohne Beteiligung der Mönche, der Kaffee verbreitete sich im 15. und 16. Jahrhundert im arabischen Raum. Im Jahr 1517 ist Kaffeekonsum in Istanbul belegt, weitere Erwähnungen des Kaffees fallen in die gleiche Zeit.

Dabei war Kaffee anfangs gar nicht unumstritten. Manche Islamgelehrte erkannten in ihm eine langersehnte Alternative zum verbotenen Wein, andere hingegen wollen in ihm eine berauschende Wirkung erkannt haben – und dann wäre das Getränk ebenso unislamisch, wie Alkohol. In diese Zeit könnte auch die Entstehung von Mythen fallen, die belegen sollten, dass der Prophet Mohamed höchstselbst dem Kaffee zugetan gewesen sei.

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Im Reich der Osmanen und entlang der wichtigsten Handelsrouten entstanden die ersten Kaffeehäuser. Fast zeitgleich tauchten Gerüchte über die neuen Etablissements auf, die selbstredend nur Männern vorbehalten waren. Im Speziellen ging es um minderjähriges Bedienpersonal, die „bartlosen Jünglinge“, die in den „Tavernen ohne Wein“ tanzten oder bedienten. Künstlerische Darstellungen aus der Zeit lassen Spielraum für Interpretationen.

Belegt ist aber, dass diese Tavernen praktisch die Blaupause für spätere Kaffeehäuser abgaben. Manche von ihnen waren geradezu luxuriös eingerichtet, andere waren reich verzierten Pavillons gleich und auch die Idee, den Kaffee auf der Terrasse davor zu genießen, stammt bereits aus dieser frühen Phase.

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Oft wurden Aufführungen von einem Meddah abgehalten. Ein Meddah war ein Geschichtenerzähler, der seine Darbietung meist vor einem kleinen Publikum, oft in einem Kaffeehaus vorführte. Die meist als Dialog aufgebauten Erzählungen lebten vom Vortrag und der Ausdrucksfähigkeit des Erzählers. Meddahs spielten oft verschiedene Charakter und benutzten verschiedene Requisiten um diese besser darzustellen. Ihre Geschichten waren entweder Klassische Erzählungen wie Tausend und eine Nacht, beliebte Erzählungen des Osmanischen Reiches oder Geschichten aus dem Alltagsleben. Meddahs waren in der Regel reisende Künstler, deren Wege von einer größeren Stadt zur nächsten führte

Die wenigen europäischen Reisenden jener Zeit dürften die Kaffeehäuser mit ihrem exotischen Getränk staunend bewundert haben. Doch bis sich Kaffee auch in Europa verbreitete, dauerte es noch ein wenig. Warum sich der Kaffee manchmal schwer getan hat, dass erfahren wir morgen. Zu den Entstehungsmythen rund um den Kaffee geht es hier!

 

Titelbild: „Zu den blauen Flaschen“, Altwiener Kaffeehausszene, etwa 1900, gemeinfrei. Bild Mohamed: Muhammad prohibiting intercalation; 17th century Ottoman copy of an early 14th century (Ilkhanate period) manuscript of Northwestern Iran or northern Iraq (the „Edinburgh codex“). Illustration of Abū Rayhān al-Bīrūnī’s al-Âthâr al-bâqiyah ( الآثار الباقية ; „The Remaining Signs of Past Centuries“), BNF, MS Arabe 1489, fol. 5v. (literature: Thomas Walker Arnold and Adolf Grohmann. The Islamic Book: A Contribution to Its Art and History from the VII–XVIII Century. Paris: Pegasus Press; New York: Harcourt, Brace and Company, 1929. ) , gemeinfreie Reproduktion eines gemeinfreien Bildes. Bild „Aufführung eines Meddah in einem Kaffeehaus“, aus einer Broschüre der türkischen Regierung, gemeinfreie Reproduktion eines gemeinfreien Bildes. Quellen: Wikipedia, „Das Wiener Kaffeehaus“, Birgit Schwanner, K.-M. Westermann, Pichler Verlag, „Das Wiener Kaffeehaus“, Goldmann Austriatica, „Kaffee und Kaffeehaus“, Ulla Heise, Komet.

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