Kleine Kaffee-Kulturgeschichte I – Entstehungsmythen

Die Mythen rund um den Kaffee mit all ihren Variationen sind so zahlreich, dass sie ganze Bände füllen können. Am verbreitetsten ist die Geschichte, dass – wahlweise christliche, koptische oder sufistische – Mönche im 9. Jahrhundert Ziegen dabei beobachteten, dass sie sich nach dem Genuss der roten Beeren wie wild gebärdeten und die ganze Nacht über aktiv blieben.

Daraufhin kochte man aus diesen Beeren einen Sud um selbst die ganze Nacht wachbleiben zu können – wieder wahlweise zum Abschreiben der Bibel, Beten oder Tanzen. Andere berichten davon, es seien jemenitische, äthiopische oder abessinische Hirten in der nordäthiopischen Region Kaffa gewesen, die diese Beobachtung gemacht hätten. Nur in einem ist man sich einig: es sind immer Ziegen mit im Spiel. Ergänzend dazu gibt es Geschichten, dass ein Blitz in einen Kaffeebaum eingeschlagen hätte und so die Mönche auf die Idee gebracht habe, die Bohnen zu rösten.

Der erste Kaffeekoch und Röster dürfte im Nebel der Geschichte verschwunden sein. Der wahre Kern der Mythen dürfte sein, dass man durch die Beobachtung der Natur auf die Idee gekommen ist, etwas mit den Beeren anzustellen und die wachmachende Wirkung für sich zu nutzen. Da die Kaffeepflanze ihren Ursprung in Äthiopien hat, dürfte dieser Urvater aller Kaffeetrinker auch aus dieser Gegend stammen. Nur wann das war, da sind sich die Historiker uneins.

Mohammed

Andere Geschichten handeln davon, dass es der Religionsstifter Mohamed höchstselbst gewesen sei, der den Kaffee auf Geheiß des Erzengels Gabriel entdeckt habe. Dieser Trank soll den Propheten von schlimmer Krankheit geheilt und dazu befähigt haben in 40 Nächten 40 Frauen zu beglücken. Wenn es schon zu Mohammeds Zeiten Kaffeekonsum gegeben hat, dann wäre das rund 300 früher, als die moderne Kaffeeforschung heute annimmt. Denkbar ist aber auch, dass man die Kaffeeentdeckung deshalb dem Propheten zuschreibt um den Konsum des Getränks zu rechtfertigen. Denn auch im Orient musste sich das belebende Heißgetränk erst durchsetzen – manchmal gegen große Widerstände.

Morgen besuchen wir die ersten Kaffeehäuser im Orient!

 

Titelbild: „Zu den blauen Flaschen“, Altwiener Kaffeehausszene, etwa 1900, gemeinfrei. Bild Mohamed: Timuridic representation of Mohammed., „Mi‘rajnama: The Book of the Prophet Muhammads Ascension“ 1634, Autor unbekannt, gemeinfreie Reproduktion eines gemeinfreien Bildes. Quellen: Wikipedia, „Das Wiener Kaffeehaus“, Birgit Schwanner, K.-M. Westermann, Pichler Verlag, „Das Wiener Kaffeehaus“, Goldmann Austriatica, „Kaffee und Kaffeehaus“, Ulla Heise, Komet.

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