Cruel Summer am Brenner

Es ist früher Morgen. Trotzdem taucht die Sonne den Brenner-Bahnhof bereits in goldenes Licht und es ist für die frühe Stunde schon recht heiß, im Sommer 1986. Der Zug hält. Wir springen ab und laufen zum ockergelben Bahnhofsgebäude. Es geht durch einen der großen Bögen unter die Galerie und dann gleich rechts durch die Türe aus Glas und im Laufe der Zeit nachgedunkeltem Holz in das „Ristorante Bar „. Schnell einen Cappuccino bezahlt, damit man Wechselgeld hat. Vor allem eine bronzefarbene 200-Lire-Münze, damals etwa eine Mark, denn die brauche ich jetzt für die Jukebox. Für 200 Lire gibt es zwei Lieder, Manic Monday von den Bangles und Cruel Summer von Bananarama.

Hot summer streets
And the pavements are burning
I sit around
Trying to smile but
The air is so heavy and dry
Strange voices are saying
(What did they say?)
Things I can’t understand
It’s too close for comfort
This heat has got
Right out of hand

Für 500 Lire gab es sechs Lieder, aber so viel Zeit hatten wir nicht. Die Grenzer waren schon in Steinach zugestiegen und hatten die Pässe bereits kontrolliert. Dafür hatten wir Schaffner eine Ledertasche mit einem Fach für jedes Abteil gefüllt mit den Fahrkarten und Pässen der Reisenden. Jetzt waren die Zöllner dran den Zug abzufertigen. Die Auszeit im Bahnhofs-Café hatten wir uns von den Kollegen der FS, der Ferrovie dello Stato Italiane, also der italienischen Staatsbahn, abgekuckt, auf deren schicke Uniformen wir damals neidisch waren. Die beigen Uniformen der DSG, der Deutschen Schlaf- und Speisewagengesellschaft, waren nicht halb so schön. 

It’s a cruel, (cruel), cruel summer
(Leaving me) leaving me here on my own
It’s a cruel, (it’s a cruel), cruel summer
Now you’re gone

Der Boden ist aus dunklem Stein, die Einrichtung einfach und etwas in die Jahre gekommen. Der Gastraum reicht von einer Seite des Bahnhofsgebäudes bis zur anderen, an der Querseite ein langer, hölzerner Tresen mit einer verglasten Vitrine für Sandwiches, Cornetti, Tramezzini. An der Wand gegenüber ein großer Kühlschrank mit Softdrinks und die Jukebox. Der Kaffee schnell serviert und günstig, 100 Lire eine Espresso, 200 Lire ein Cappuccino, al banco, im Stehen natürlich. Al tavolo kostet mehr. Im Stehen schon deshalb, weil jeden Moment der Capo, die Zugaufsicht, kommen könnte: „Avanti, avanti!“ Zurück zu den Zügen…

The city is crowded
My friends are away
And I’m on my own
It’s too hot to handle
So I got to get up and go

It’s a cruel, (cruel), cruel summer
(Leaving me) leaving me here on my own
It’s a cruel, (it’s a cruel), cruel summer
Now you’re gone

Es war der Sommer 1986. Liegewagenschaffner war mein erster Vollzeit-Job. Wie nebenbei besuchte ich so die Metropolen Europas: Paris, Genua, Kopenhagen, Belgrad, Zagreb und natürlich Rom. Unter den vielen Erinnerungen aus dieser abenteuerlichen Zeit – intern nannten wir die DSG „die Söhne Gottes“ – ist mir die an den schnellen Cappuccino im Brenner-Bahnhofs-Café einer der liebsten. Es war der Sommer 1986. Hat jemand ein 200-Lire Stück für zwei Songs? Zwei Songs, denn länger ist die kleine Auszeit eh nicht. Manic Monday von den Bangles und Cruel Summer von Bananarama…

You’re always around
You found yourself
But now you’re by yourself, waiting for me
I’m your self
I am the sun (leaving me)

 

Quelle: LyricFind; Songwriter: Sarah Elizabeth Dallin / Keren Jane Woodward / Siobhan Maire Deirdre Fahey / Steven Jolley / Tony Swain; Songtext von Cruel Summer © Sony/ATV Music Publishing LLC, Warner Chappell Music, Inc, BMG Rights Management.

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