Olbia: Kaffeegeschäfte und Kaffeekultur

Das erste war ein Griff ins Abort: zweimal habe ich versucht das SaMoka Café in der Via Porto Romano zu besuchen. Allein ich stand vor verschlossenen Türen. Auch sah der Laden eher verwaist aus. Kein Zettel gab verlässlich Auskunft, die Öffnungszeiten rätselhaft. Google behauptet, es sei dauerhaft geschlossen. Schade.

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Schade, doch Ausdruck eines schleichenden Wandels in Italien. Und Abschied von einem liebgewordenen Klischee: während der Italiener in der Cafè-Bar morgens Cappuccino und nachmittags nur Espresso trinkt, gibt es daheim zum Frühstück den traditionellen Mokka aus der Herdkanne von Bialetti, deren Kaffee zuvor aus frischen Bohnen liebevoll gemahlen wurde.

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Das dürfte der Vergangenheit angehören, zumindest, wenn man sich das Kaffee-Angebot im italienischen Supermarkt anschaut. Tatsächlich kommt es nicht von Ungefähr, dass der Hersteller Bialetti in finanzielle Schieflage geraten ist. Früher standen die zum Teil sündhaft teuren Espressomaschinen nur in den Cafè-Bars, daheim griff man auf die bedeutend günstigere Herdkanne zurück. Filterkaffee, wie in Deutschland üblich, hingegen war so gut wie unbekannt.

Jetzt kommen Kapsel- und Padmaschinen und machen der italienischen Tradition den Gar aus. Auch inzwischen erschwinglich gewordene Siebträgermaschinen dürften ihren Teil dazu beitragen. Doch wenn der Italiener statt zur Bialetti daheim lieber zu semiprofessionellen Espressomaschine greift, wo bekommt er dann den Kaffee dafür her? Aus den Supermärkten eher nicht. Und Spezialgeschäfte machen Dicht.

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Antwort auf diese Frage finden wir im Fachgeschäft: Sa Caffettera in der Via Roma 65 hat die Bialetti noch im Logo. Im Laden findet sich hingegen ein umwerfende Auswahl von Kaffeepads und -Kapseln. Die meisten davon sogar Bio und fair gehandelt. Und bestimmt auch lecker. Bohnenkaffee ist hier Mangelware. Relativ unverständlich, ist doch die erfolgreiche Rösterei La Tazza d’Oro hier auf der Insel beheimatet! Die Nachfrage richtet es wohl. Ich habe dennoch einen der drei Bohnenkaffees gekauft. Vielleicht aus Trotz. Er wartet luftdicht in Tupper verschlossen auf seinen Einsatz!

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