Griechisches Kaffee-Tagebuch: Kafenio in Póthia auf Kalymnos

Das Kafenio ist in Griechenland kein gastronomischer Betrieb, es ist, ähnlich wie in Österreich, eine Institution! Ein Gemeinplatz? Nicht, wenn man näher hinschaut! Denn das Kafenio spielt eine unersetzliche Rolle im sozialen Leben der Griechen. Vorbei übrigens die Zeiten, wo das Kafenio eine reine Männerdomäne war. Heute kann man auch vereinzelt Frauen in den zumeist eher rustikalen Kaffeehäusern sehen, selbst, wenn sie hier eine Minderheit sind. Geht man doch als Mann hierher um eben nicht daheim bei Weib und Kindern zu sein? Dafür weiß die Frau wo ihr Mann gerade ist und keinen Unsinn macht.

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Im Kafenio geht es natürlich um Politik. Früher konnte man an der Farbe der Türe erkennen, zu welcher politischen Partei der Wirt tendiert – und damit das gewünschte Publikum auch. Heute, da es immer weniger traditioneller Kaffeehäuser gibt, sind sie neutraler geworden. Politisiert wird natürlich trotzdem.

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Das Kafenio ist in der Regel schlicht eingerichtet und hinter der Bar ist eine kleine Küche. Denn neben griechischem Kaffee gibt es oft auch kleine Häppchen. Glaubt man den Sagen und Mythen rund um die griechischen Kaffeehäuser, dann wurde hier vor Jahrzehnten der Schinken-Käse-Toast aus dem Kontaktgrill erfunden! Inzwischen gehen die meisten Wirte allerdings auch mit der Zeit. So gibt es natürlich Nescafé frappé und neuerdings auch Cappuccino freddo.

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Genau wie im traditionellen Kafenio am Hafen von Póthia auf Kalymnos. Ein großer Raum mit einer kleinen Theke in der linken, hinteren Ecke, eine kleine, offene Küche, einfache Holztische und dazu passende Stühle. Als Tribut an die modernen Zeiten gibt es eine überraschen umfangreiche Auswahl an hausgemachtem Eis.

An einigen Tischen sitzen Männer, die einzigen Frauen sind Touristinnen und die sitzen lieber draußen an der Straße. Gerade kommt der Chef und beginnt Leute anzuschreien, mal einige Stammgäste, mal seine Bedienungen. Worum es geht? Ich verstehe es nicht und trotzdem ist mir klar, was der Auslöser des Streites ist. Die Bedienungen, drei an der Zahl, machen nur das Notwendigste, wenn er, der Chef aus dem Haus ist und die Stammgäste müssen sich da gar nicht einmischen. Überhaupt könne man von den zwei, drei Kaffee, die die am Tag trinken, nicht leben, zumal bei den unverschämt hohen Steuern. Was die sich wohl denken, die da in Athen?

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Einige Touristen verlassen das Café. Außer mir sind wohl nur noch Stammgäste und Personal geblieben. Und so schnell wie der Wutausbruch begann, ist er auch schon wieder vorbei und alles geht seinen gewohnten Gang. Aber so ist das halt im Kafenio…

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Morgen besorgen wir uns Frühstück beim Bäcker!

Zurück zum Ciao geht es hier!

Kafenio, neben Hotel Olympos, Ag Nikolaos, Póthia, Kalymnos, Griechenland.

2 Gedanken zu “Griechisches Kaffee-Tagebuch: Kafenio in Póthia auf Kalymnos

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