Kannen nach dem Karlsbader Prinzip

Seit der Kaffee seinen Siegeszug durch Europa angetreten hat tüftelten die Menschen an der Zubereitung. Bis vor 110 Jahren von Melitta Benz der Kaffeefilter erfunden wurde, ging es auch ohne. Deshalb drehten sich die Entwicklungen der meisten Kaffeezubereiter darum, was mit dem Kaffeesatz passieren soll und wie man das Getränk am trefflichsten aus dem Pulver extrahiert.

Etwa zu der Zeit, als der junge Napoleon seine Joséphine kennenlernte, komen in Frankreich Seihkannen auf. Das Prinzip: der Kaffee befindet sich in einem Behälter in Kannenhals. Ist der Kaffee durchgelaufen wird der Behälter mitsamt dem Satz entfernt und der Kaffee darunter kann getrunken werden. Diese Seihannen  wurden aus Silber, Kupfer, Zinn, aber auch aus Ton und Porzellan hergestellt. Das vermutlich erste Exemplar ließ François Antoine Henri Descroizilles von einem Blechschmied in Rouen anfertigen. Descroizilles, Chemiker und Pharmazeut, stammte aus einer Apothekerfamilie in der Normandie. Dem Pariser Bischof Jean-Baptiste de Belloy gefiel diese Erfindung so gut, dass er sie sofort nachbauen ließ. In Paris begann dann auch der Siegeszug der Seihkanne, ungerechter Weise unter dem Namen „cafetière du Belloy“, der findige Apotheker ging dabei leer aus.

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Die französische Seihkanne fand Nachahmer und wurde dabei weiter entwickelt. Sicherlich zu nennen ist der Neapolitaner, eine Drehkanne, bei der erst das Wasser in der Kanne erhitzt wird, während sich das Kaffeepulver bereits in einem Filter in der Kannenmitte befindet. Kocht das Wasser wird die Kanne gestürzt und der Kaffee kann extrahieren.

Im deutschsprachigen Raum spielte die Karlsbader Kanne und später die Bayreuther Kanne wohl die größte Rolle. Karlsbad war während der k. u. k. Monarchie der Kurort der feinen Wiener Gesellschaft. Kein Wunder also, dass sich die gleichnamige Porzellankanne auch in den Kaffeehäusern der österreichischen Hauptstadt durchsetzte. Dort orderte man fortan einen „Karlsbader“, wenn man einen guten, frischen Kaffee wollte. Als sich 1899 die neugegründete Bayreuther Porzellanmanufaktur Walküre des Karlsbader Prinzips annahm, wurde aus der Karlsbader eine Bayreuther, wobei bis heute die erste eine fast barocke und eher bauchige Form aufweist, während die zweite durch ihre schlichte Eleganz besticht. In den USA hält sich darüber hinaus auch noch die Bezeichnung Böhmische Kanne.

Walküre1

Das Besondere an der Karlsbader wie der Bayreuther Kanne sind feinmaschige Porzellansiebe im Inneren. Ansonsten hat sich seit der Zeit am Brühprinzip seit der Zeit des verliebten Napoleons nicht viel geändert. Doch der Kaffee aus der Bayreuther Kanne zeichnet sich dadurch aus, dass er keinen Fremdgeschmack hat und man ein sehr reines Aroma genießen kann. Da keinerlei Filterpapier oder Siebträger für die Zubereitung notwendig ist, kommt der Kaffee nur mit dem glasierten Porzellansieb in Kontakt. So werden alle Fette, Öle, Zucker und Säuren besonders schonend aus dem Kaffeemehl gelöst.

Morgen erleben wir eine Bayreuther Kanne in Aktion – Schritt für Schritt.

 

Bildrechte: Porzellanfabrik Walküre GmbH & Co. KG, Csant/wikipedia.org,  Porzellanfabrik Walküre GmbH & Co. KG, Quellen: walkuere.de, wikipedia.org, tchibo.de,

 

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