Historisches und Kurioses über Kaffee

1. Manche Revolution entflammte in einem Kaffeehaus.

Im Juli 1789 sprang der französische Journalist Camille Desmoulins im Palais Royal Café in Paris auf einen Tisch und forderte die Anwesenden auf, gegen die Aristokratie und für „Freiheit und Gleichheit“ zu kämpfen. Dieser Funke entflammte die Französische Revolution. Doch auch die Russische Revolution ist mit den Kaffeehaus verbunden. Ein österreichischer Politiker soll zu einer möglichen Revolution in Russland gesagt haben: „Wer soll denn schon Revolution machen? Vielleicht der Herr Bronstein aus dem Café Central?“ Damit war Leo Trotzki, bürgerlich Bronstein, gemeint, der seit Oktober 1907 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges als Emigrant in Wien lebte und regelmäßig im Central Schach spielte.

 

 

2. Dank Goethe wurde das Koffein entdeckt.

Johann Wolfgang von Goethe riet seinem Bekannten, dem Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge, Kaffeebohnen zu destillieren, denn er vermutete in Kaffeebohnen ein Gegengift zu Atropin. Runge entdeckte daraufhin das Koffein. Von Goethe ist übrigens bekannt, dass er im heute noch existierenden Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffe Baum“ in Leipzig verkehrte. Dort gab sich das „Who is Who?“ der feinen Gesellschaft von August dem Starken über Napoleon bis zu Bach und Lessing die Klinke in die Hand. Angesprochen auf seine Vorliebe für Kaffee hat der Geheimrat geantwortet: „Macht man nicht gern eine entfernte Spazierfahrt, um einen Kaffee zu trinken, einen Fisch zu genießen, der uns zu Hause nicht so gut geschmeckt hätte? Wir verlangen Abwechslung und fremde Gegenstände.“

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3. Die Industrialisierung wäre ohne Kaffee undenkbar gewesen.

Kaffee hat in Deutschland und in Großbritannien die Industrialisierung vorangetrieben. Gab es im 17. Jahrhundert noch Biersuppe oder sogar Wein zum Frühstück, kam bald am Morgen Kaffee auf den Tisch. Statt träge und müde zu sein, gingen die Arbeiter von da an hellwach in die Fabriken, was die Produktivität erheblich verbesserte. Bis ins 20. Jahrhundert hat sich in manchen Gegenden die Kaffeesuppe erhalten, in die Brot und Butter eingebrockt wurde.

Heute sind Büros oder Produktionsanlagen ohne Kaffee undenkbar. Trotzdem müssen sich drei von vier Arbeitnehmern auf eigene Kosten um ihren Kaffee kümmern. Eigentlich schade, schließlich führt Kaffee nachweislich zu besseren Arbeitsergebnissen.

 

4. In der DDR war Kaffeeersatz als „Erichs Dröhnung“ verschrien.

In der DDR war reiner Röstkaffee schier unerschwinglich. Die Parteiführung führte schließlich den Kaffee-Mix, ein Ersatzkaffee aus Kaffee und Getreide, Zuckerrüben und Erbsen ein. Dieser Kaffeeersatz zerstörte nicht nur Kaffeemaschinen, er schmeckte den Bürgern überhaupt nicht und wurde in Anlehnung an westdeutsche Produkte als „Erichs Dröhnung“ verschmäht.

1977 gab es sogar eine regelrechte Kaffeekrise, die sich auch in der BRD auswirkte. Damals waren die Weltmarktpreise für Kaffee aufgrund einer Missernte in Brasilien dramatisch angestiegen. In der Bundesrepublik führte die Preissteigerung bei Kaffee aber nicht zu Versorgungsengpässen, doch konnten sich Surrogatmischungen wie „Caro mit“, „Jota-Sport“, „Aromata“ oder „Rogga halb & halb“ am Markt etablieren. Die meisten allerdings nicht für lange.

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5. Kaffeetrinken war Spiegel der Gesellschaftsschicht.

Im 18. Jahrhundert war es in feinen Kreisen noch üblich, den Kaffee aus der Untertasse zu schlürfen, damit er schneller abkühlte. Der zu heiße Kaffee hätte nämlich die empfindliche Schminke der Herrschaften zerlaufen lassen. Arbeiter- und Bauernfamilien dagegen hatten in der Regel kein Kaffeegeschirr. Sie löffelten ihren Kaffee stattdessen vom Suppenteller. Heute sind Coffee-to-go und schick designte Kaffeemaschinen eher Ausdruck für modernen Lifestyle und gesellschaftliche Unterschiede sind weitestgehend verschwunden.

 

 

6. Friedrich der Große setzte Kaffeeschnüffler ein.

Friedrich der Große führte ein staatliches Kaffeemonopol für Preußen ein und verhängte 1781 den sogenannten „Brennzwang“. Dieser verbot Privatleuten, Kaffeebohnen zu besitzen oder zu rösten. Zur Kontrolle, dass Kaffee nur in den royalen Röstereien gebrannt wird, setzte Friedrich der Große im gesamten Land „Kaffeeschnüffler“ ein, die am charakteristischen Geruch des gerösteten Kaffees ungehorsame Bürger entlarven sollten. Heute hat der Staat ein Interesse am Kaffeekonsum der Bevölkerung: Er nimmt durch die Kaffeesteuer eine Milliarde Euro pro Jahr ein.

Friedrich der Groe als Reiterstandbild Unter den Linden in Berlin

7. Ziegen sollen den Kaffee entdeckt haben.

Um die Entdeckung des Kaffees ranken sich viele Legenden. Eine erzählt, dass einige seiner Ziegen einem Hirten viel Arbeit bereiteten, weil sie auch nachts ständig herumsprangen. Der Hirte klagte sein Leid einem Mönch im nahe gelegenen Kloster. Neugierig geworden entdeckte dieser, dass die aktiven Ziegen regelmäßig von einem Baum mit roten Früchten naschten. Er sammelte diese Früchte, bereitete daraus einen Sud und trank seinen ersten Kaffee.

 

8. Die arabische Welt hatte lange ein Handelsmonopol auf Kaffee.

Lange Jahre hatte die arabische Welt ihr Kaffeeanbau- und Handelsmonopol streng gehütet. So wurden die rohen Bohnen mit heißem Wasser übergossen, damit sie nicht keimen konnten und keiner der Handelspartner in der Lage war, eigenen Kaffee anzubauen. Doch der Siegeszug der aromatischen Bohnen war nicht aufzuhalten. Im 16. und 17. Jahrhundert entwendeten die Niederländer Kaffeepflanzen und bauten sie in ihren Kolonien an. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde Kaffee dann rund um den Erdball angebaut und war weltweit zu einem bedeutenden Handelsgut geworden.

Traditional ethiopian coffee pot

9.  Kaffee ist der „Wein des Orients“.

Mitte des 15. Jahrhunderts trank man in Arabien mit Vorliebe „Quahwa“, den „Wein des Orients“. Der anregende Kaffee war im Koran nicht verboten, im Gegensatz zum alkoholhaltigen Wein. Es gibt sogar Berichte darüber, der Prophet Mohammed höchstselbst hätte den Kaffee eingeführt. Ein Engel habe ihm die Heilkraft des Heißgetränks verraten. Fakt ist, dass sich der Kaffee im islamischen Glaubensgebiet rasch ausbreitete. Über die Städte Mekka und Medina gelangte der Kaffee dann nach Kairo und Kleinasien und von dort aus eroberte er Syrien und schließlich Europa.

 

10. Kaffee war ursprünglich ein Heilmittel.

Ursprungsland für den Anbau von Kaffee ist Äthiopien. Bis ins 12./13. Jahrhundert wurden die wertvollen Bohnen hauptsächlich zu Heilzwecken angebaut, erst danach wurde Kaffee auch zum Genussmittel.

Heute belegen wissenschaftliche Studien, dass Kaffeegenuss positive Wirkungen auf die Gesundheit haben und beispielsweise vor Diabetes oder Alzheimer schützen kann.

Buch

 

Bildrechte: Appaloosa/Wikipedia.de, Illustratedjc/Wikipedia.de, Rainer Fuhrmann/Fotolia.com, Rafal Cichawa/Fotolia.com, Tom Buntrock.

 

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