Drei (Monster-)Becher für ein Halleluja

Seit einigen Tagen grüßen drei Monster-Becher vom Münchner Marienplatz, Stachus und Harras. „München hatt’s satt“ ist darauf zu lesen. Und: „vermeide Pappbecher“. Sie sind Teil der Kampagne „Abfallvermeidung gegen Einweg-Kaffeebecher“. Ihr Volumen entspricht genau dem Inhalt der bis zu 190.000 Coffee-To-Go-Becher, die täglich in München anfallen.

Was bedeuten Wegwerfbecher für unsere Umwelt? Die Deutsche Umwelthilfe hat errechnet, dass in Deutschland 2,8 Milliarden Pappbecher jährlich verbraucht werden. 2,8 Milliarden Pappbecher, für die 43.000 Bäume gefällt werden müssen. Für die Herstellung werden desweiteren 320 Millionen KWh Strom benötigt und 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht. Zusätzlich werden für die Plastik-Beschichtung 3.000 Tonnen Rohöl verarbeitet. Dabei werden insgesamt 111.000 Tonnen CO2 in die Luft gepustet. Und am Ende bleiben auch noch 40.000 Tonnen Abfall.

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Dazu kommt: Leere Kaffeebecher gehören nicht in den Papiermüll, sondern in die Restmülltonne. Grund dafür ist die spezielle Wachsbeschichtung und der hohe Kunststoffanteil. Den Becher in seine Einzelteile zu trennen, ist dann meist zu aufwändig. Einwegbecher sind also praktisch nicht zu recyceln.

Die Stadt München – allen voran das Kommunalreferat und der Abfallwirtschaftsbetrieb München – will mit der Becher-Aktion für eine Bewusstseinsveränderung werben. „Wir möchten die Leute zur Nutzung von Mehrweg-Kaffeebechern motivieren“, sagt Josef Kiener, Marketingeiter beim AWM im Bayerischen Rundfunk. „Uns ist natürlich bewusst, dass wir da ein bisschen gegen Lifestyle und auch Bequemlichkeit ankämpfen, aber wir hoffen, dass wenigstens ein kleiner Bewusstseinswandel stattfindet.“

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Wer also etwas zur Müllvermeidung beitragen will, der kann zum Beispiel seinen eigenen Becher mitbringen. In einigen Cafés ist das nicht nur erwünscht, es gibt sogar manchmal Rabatt. Über teilnehmende Cafés informiert die Aktion „Coffee to go again“. Oder man nutzt das Pfandsystem von ReCub. In München hat das Start-up aus Rosenheim bereits die 200er-Marke geknackt. Einzelheiten finden sich direkt bei ReCup. Entlang der westlichen Stadtgrenze hat der Würmtal-Becher erfolgreich bewiesen, dass Pfandsysteme die ungeliebten Einwegbecher in nur wenigen Monaten verdrängen können – wenn Gastronomie und Handel mitspielen.

Daher ist das Engagement einiger Kaffee- und Bäckerei-Ketten und einer Tankstelle zu begrüßen. Die Bäckerei & Konditorei Ludwig Riedmair ist schon lange bei Coffee to go again dabei und bietet eigene Mehrwegbecher zum Verkauf an. Ähnliche Wege gehen die OMV-Tankstellen. Hier sind es Mehrwegbecher aus Porzellan, die an allen Filialen wieder aufgefüllt werden können. Auch bei Tchibo hat man inzwischen umgedacht: war noch zu Jahresbeginn ein Kaffee-Kauf ohne Pappbecher unmöglich, so werden inzwischen auch mitgebrachte Becher befüllt. Alle drei Unternehmen bieten bei Verzicht auf den Einwegbecher einen Nachlass von 10 Cent.

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Nach der Bäckerei Ziegler ist vor Kurzem auch die Bäckerei-Konditorei Heinrich Traublinger dem Pfandsystem ReCup beigetreten. Außerdem macht inzwischen die Kaffee-Kette Coffee Fellows mit. Praktisch die Smartphone-App von ReCup, mit der sich der nächste Anbieter mühelos lokalisieren lässt. Auch, wenn größere Ketten natürlich für eine schnellere Verbreitung sorgen, so leben beide Angebote jedoch auch vom Engagement der kleinen Anbieter. Die Liste der Kioske und Cafés die einen umweltfreundlichen Kaffee-Verkauf fördern, ist lang – und wird ständig länger.

Doch wichtiger als das Angebot ist die Nachfrage. Hier entscheidet der Verbraucher – und ist deshalb besonders gefordert. Sollen Angebote wie Coffee to go again und ReCup überleben, dann müssen sie vom Kunden nachgefragt werden. Wie ökologisch der eigene Kaffee-Genuss ist entscheidet schließlich jeder selbst. Die beste Methode Wohlstandsmüll zu vermeiden ist es aber, sich einfach die Zeit für eine Coffee to stay zu nehmen.

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Bildrechte: CoffeNewsTom (4x), Tchibo.

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