Von Senfkaffee und Kaffeeschnüfflern

Heute ist Schnüffler eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für einen privaten Ermittler. Kaum einer weiß, dass die Kaffee-Detektive im alten Preußen Friedrichs des Großen im wahrsten Sinn des Wortes herumschnüffelten.

Es mag so um 1780 gewesen sein, als gegenüber des Berliner Stadtschlosses wo heute der Dom steht, das Café Royal seine Pforten öffnete. Dargeboten wurde ein Getränk, welches sich nur etwa hundert Jahre vorher seinen Weg nach Mittel- und Nordeuropa gebahnt hatte: Kaffee. Damals wandelte sich der Türkentrank, wie er anfänglich abschätzend genannt wurde, gerade vom vermeintlichen Gift zum Luxusartikel.

Der gestiegene Kaffeekonsum des Bürgertums konnte dem König Friedrich II. nicht entgehen. Um die durch Kriege ausgezehrte Staatskasse zu füllen erklärte er Kaffee zusammen mit Schokolade, Speiseeis und Schaumwein kurzerhand zum Luxusgut, besteuerte ihn mit 150% und versuchte den Kaffeehandel zu monopolisieren. Gleichzeitig hoffte er so die preußischen Manufakturen für Malzkaffe vor Wettbewerb zu schützen. Daraufhin entwickelte sich ein reges Schmuggel- und Schwarzrösterwesen. Es gehörte fast schon zum guten Ton die illegal besorgte Schmuggelware am heimischen Herd frisch zu rösten.

Das verdross den Soldatenkönig. So ernannte er kurzerhand 400 Veteranen und Invaliden zu offiziellen Kaffeeschnüfflern. Sie hatten sogar Erlaubnis Türen aufzubrechen und sich Zugang zu allen Räumen zu verschaffen. Hatten sie den richtigen Riecher, dann war es besser für Schwarzröster schnell zu verduften.

Bald machte sich Unmut über die Rüpel breit, die im wahrsten Sinne des Wortes überall herumschnüffelten und versuchten ungesetzlich gerösteten Kaffee zu erriechen. Da die Spürnasen nach Ertrag bezahlt wurden, waren sie besonders fleißig. Sie standen auch auf Brücken und berochen dort die Taschen von Passanten.

Kurz nach dem Ableben Friedrichs des Großen wurde diese Art der Kaffeesteuer durch Einfuhrzölle in ähnlicher Höhe ersetzt – ein weit praktikableres Verfahren. Erst nach Gründung des Deutschen Zollvereins wurden diese exorbitanten Zölle Mitte des 19. Jahrhunderts deutlich gesenkt. Heute beträgt die Kaffeesteuer für Röstkaffee 2,19 Euro je Kilo und für löslichen Kaffee 4,78 Euro je Kilo. Pro Jahr bringt das dem deutschen Fiskus etwa eine Milliarde Euro ein. Der gemeinnützige Verein TransFair, der das Siegel Fairtrade vergibt, fordert diese Kaffeestreuer auf fair gehandelten Kaffee abzuschaffen. Dafür will der Verein bis zum 29. September 2017 50.000 Unterschriften sammeln.

Doch auch so ist die Kaffeesteuer mit Tücken verbunden: Wer sich Kaffee aus dem Ausland zuschicken lässt, der muss auch als Privatmann die Kaffeesteuer unaufgefordert anmelden. Die Einfuhr von bis zu 10 Kilo Kaffee aus Ländern ohne Kaffeesteuergesetz – wie zum Beispiel den Niederlanden – ist nur möglich, wenn der Käufer eine Privatperson ist und der Kaffee persönlich im Ausland abgeholt wird.

Seinen eigenen Kaffee trank der Soldatenkönig übrigens mit Senf oder Pfeffer. Ob er mit dieser Mischung Schnüffler abhalten wollte ist unbekannt.

Bildrechte: Rainer Fuhrman/Fotolia.com

 

3 Gedanken zu “Von Senfkaffee und Kaffeeschnüfflern

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