Ist Kaffeetrinken ökologisch?

Als kleiner Junge von der Oma zum Kaffee-Kaufen geschickt. Den Duft von frisch gerösteten Kaffeebohnen in der kleinen Rösterei am Ort eingesogen. Und das oft. Immer dann, wenn sich Besuch angesagt hatte. Weil Oma hat immer nur gerade so viel Kaffee besorgen lassen, wie sie unmittelbar brauchte. Eine Kindheitserinnerung des bei den Großeltern in der Türkei aufgewachsenen Kaffee-Buch-Autoren Yasar Karaoglu. Verpackungsmüll oder Metallabfälle wie beim Kapselkaffee entstanden bei Yasars Kaffeekauf kaum. Unser Kaffeekonsum läuft zwangsläufig heutzutage anders ab. Doch wie können wir als Käufer die Öko-Bilanz unseres Lieblingsgetränks verbessern?

Für Kaffee braucht man Wasser. Das ist logisch. Allerdings braucht man zur Herstellung von Kaffee ein Vielfaches von dem, was man später fürs Kaffeekochen aufwendet. Pro Tasse des Heißgetränks in etwa 150 Liter die verbraucht werden für Wachstum und Aufbereitung. Auch, wenn darunter  viel Regenwasser ist, gehört Kaffee damit zu den Nahrungsmitteln mit einem hohen Wasserverbrauch, wie zum Beispiel Kakao oder Fleisch. Tee wiederum kommt mit 30 bis 40 Liter pro Tasse aus.

Zum einen braucht die Kaffeepflanze natürlich Wasser zum Wachsen. Hinzu kommen aber auch die Wassermengen für die Kaffeeaufbereitung. Je nach Verfahren – nass, halbtrocken oder trocken – fällt die Öko-Bilanz hier besser oder schlechter aus. Tatsächlich hat man als Käufer nur wenig Einfluss auf den Wasserverbrauch. Gerade bei kleineren Röstereien lohnt sich aber ein Blick auf deren Webseite. Kaufen die ihre Rohware nämlich direkt beim Bauern, dann können sie oft Auskunft über darüber geben wie ressourcenschonend der Kaffee angebaut wurde. Außerdem gibt es Siegel, die auf besonders ökologischen Anbau hinweisen.

Doch als Kaffeetrinker kann man noch mehr machen um die Öko-Bilanz des täglichen Konsums zu verbessern. Zu nennen ist hier der Verzicht auf Kapselmaschinen, denn die produzieren beinahe mehr Abfall als Kaffee. Da ist der gute, alte Kaffeefilter schon umweltfreundlicher. French Press, Santos oder  Cold Brew kommen ganz ohne zusätzlichen Abfall aus, da man für sie keine Filter braucht. Es gibt aber auch Dauerfilter aus Stoff oder Metall, die dabei helfen Abfälle zu vermeiden.

Wer Kaffee lieber unterwegs trinkt, der kann zur Müllvermeidung seinen eigenen Becher mitbringen oder seinen Coffee to go da kaufen, wo Pfandbecher angeboten werden, wie zum Beispiel von ReCup. Inzwischen bieten einige Cafés und Bäckereien sogar Rabatt an, wenn man sich einen mitgebrachten Becher füllen lässt. Zumindest die Umweltbelastung durch Einwegbecher lässt sich so reduzieren.

Schwieriger wird es da mit dem Verpackungsmüll. Offen gekaufte Kaffeebohnen in der Umweltpapier-Tüte zu kaufen mag ökologisch toll sein – das flüchtige Aroma des Kaffees leidet darunter. Einmal an der Luft verlieren die Bohnen schnell an Geschmack. Aromaverpackungen – am besten mit Ventil zum Ausgasen – können da gegensteuern, doch sie belasten die Umwelt. Wie weit man seine Umweltinteressen hier vor den Geschmack stellt muss jedem selbst überlassen bleiben.

Es zeigt sich: mit einfachen Mitteln können wir die Öko-Bilanz des Kaffees, den wir trinken, verbessern. Auf ökologische Landwirtschaft, beziehungsweise direkten Handel achten und Abfall vermeiden beim Kaffeekochen und -genießen. Wenn wir das alles berücksichtigen, dann schneidet unser Lieblingsgetränk auf einmal gar nicht mehr so schlecht ab.

Bildrechte: machiavel007/Fotolia.com

2 Gedanken zu “Ist Kaffeetrinken ökologisch?

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