Kaffee aus Kamerun: zurück auf den Markt

Es gab eine Blütezeit für Kameruner Kaffee: 1990 war das zentralafrikanische Land auf Platz 12 der Kaffeeproduzenten weltweit mit einem Anteil an der Jahresproduktion von 2%. In diesem Rekordjahr wurden 156.000 Tonnen Kaffee exportiert. 25 Jahre später waren es nur noch 28.000 Tonnen und Kamerun fand sich auf dem 30. Platz wieder. Schuld waren politische Fehleinschätzungen, die Liberalisierung des kamerunischen Kaffeemarktes unter Wegfall von Preisgarantien und Subventionen und der Wertverfall auf dem Weltmarkt. Die Folge: viele Bauern wandten sich vom Kaffeeanbau ab.

Der Kaffeeanbau in Kamerun hat eine vergleichsweise lange Tradition. Die Anfänge der Kaffeeproduktion in Kamerun geht auf die deutsche Kolonialzeit zurück. Erste Anbauversuche lassen sich bis ins Jahr 1884 zurückdatieren. Die Kolonialisten erkannten, dass vor allem das Hochland und das Grasland im Westen ideale Anbaugebiete für Kaffee waren. in einem liberalisierten Markt konnten sich die Bauern aber kaum durchsetzen. Ihnen als Produzenten blieb nur ein Bruchteil der Gewinne, die größeren Margen strichen die Zwischenhändler ein. Vor allem die für den Anbau notwendigen Betriebsmittel konnten sich viele Landwirte aufgrund der fehlenden staatlichen Unterstützung nicht mehr leisten. „Ohne Dünger, Insektizide, Fungizide und Sprühgeräte war es für die Bauern schwer, ihr Farmen zu erhalten“, erzählt der Kaffeebauer Issah Mounde Nsangou.

Die Geschäftsfrau Hermine Tomaino Ndam Njoya will das jetzt ändern. Sie hat Kaffeebauern schon seit Jahren geraten ihre Farmen zu erhalten. Sie ging fest davon aus, dass der Weltmarktpreis sich zyklisch verhält. „Ich sagte ihnen, dass die Preise zwar jetzt am Boden sind, aber wieder steigen werden, weil die Nachfrage nach Kaffee steigen wird.“ Ndama Njoya sollte Recht behalten. Bedingt durch die stetig wachsende globale Nachfrage nach Kaffee haben die Weltmarktpreise im Jahr 2015 um sechs Prozent zugelegt. Analysten rechnen damit, dass der Trend anhalten wird. Vor allem der scheinbar unstillbare Durst von Kaffeeliebhabern aus den USA treibt die Preise auf Rekordhöhe.

Als Kind ist sie auf der Kaffee-Farm der Eltern aufgewachsen. „Dadurch habe ich mich in den Kaffee verliebt“, sagt sie heute. Jetzt hat sie konkrete Pläne, um die Situation der Kleinbauern zu verbessern. Sie fordert für die Landwirte einen besseren Zugang zu Marktinformationen, damit die Produzenten die Vorlieben ihrer Endkunden kennen lernen. Außerdem fordert sie Barista-Ausbildungen, damit in kamerunischen Cafés perfekter Kaffee serviert werden kann. Im Kaffee-Land Äthiopien gehen weniger als ein Drittel der Produktion ins Ausland, der Großteil wird im Inland konsumiert. Eine solche Kaffeekultur müsste sich in Kamerun erst entwickeln, könnte den Kaffee-Umsatz aber ankurbeln.

Ndam Njoya hat hier eine Vorreiterrolle übernommen. Sie hat in der Hauptstadt Yaoundé ein Kaffeehaus gegründet, in dem sie ihre Ideen realisiert: „Wir wollen, dass die Menschen hier alles Wissenswertes über Kaffee erfahren, wie zum Beispiel über Anbaugebiete und Sorten. Es ist wie ein Kaffeemuseum.“ Bis das Wirkung zeigt ist es allerdings noch ein langer Weg. Lediglich zehn Prozent der kamerunischen Kaffeeproduktion werden vor Ort verarbeitet. Die Regierung des zentralafrikanischen Landes hat angekündigt, dass der lokalen Wertschöpfung von Agrarpodukten Priorität eingeräumt soll. Bislang ist es allerdings bei dieser Ankündigung geblieben.

Quellen: afrika.info, IDN, International Press Syndikate, Bildrechte: Ngala Killian Chimton/IDN.

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