Bosnian special: auf einen bosanska kafa mit der Tram nach Ilidža

Das patenteste Verkehrsmittel in Sarajevo ist die Tram. Zwar gibt es auch Busse, aber die Tramlinien bilden die Lebensader des öffentlichen Personennahverkehrs. Von der Altstadt im Westen durchquert die Straßenbahn Sarajevo in ganzer Länge bis nach Ilidža, einer Nachbargemeinde ganz im Osten und durchfährt dabei alle vier Stadtgemeinden: Stari Grad (Altstadt), Novi Grad (Neustadt), Centar (Zentrum) und schließlich Novo Sarajevo (Neu-Sarajevo). Die Tramstrecke selbst ist ein rollendes Nahverkehrs-Museum. Die jüngsten vier Garnituren stammen von 1990 und waren ursprünglich für Pjöngjang gedacht, die ältesten kommen aus Köln und Wien und wurden Anfang der 60er Jahre erstmals dort in Betrieb genommen.

Etwas ruckelig geht es auf ausgeschlagenen Gleisen und über Weichen, die vom Fahrer von Hand umgestellt werden müssen, in knapp einer halben Stunde von West nach Ost. Dabei bekommt man einen einen guten Überblick über die Stadt. Vor allem über die Neubaugebiete aus kommunistischer Zeit. Ein schier endloses Neu-Perlach oder Marzahn. Zwischen den Wohnsilos, von denen man bei manchen Kriegsschäden erkennen kann, noch wenige Reste der historischen Bausubstanz, die sich mit modernsten Stahl-Beton-Glas-Konstruktionen der Banken, Hotels und Autohäusern abwechseln. Schließlich vorbei am Flughafen, unmittelbar dahinter die Grenze zur Republika Srpska.

Die Entstation in Ilidža ist direkt am lokalen Busbahnhof. Direkt daneben das Pendent zur Baščaršija. Eingeklemmt zwischen Post, einer Grund- und einer Mittelschule hat sich ein kleines gastronomisches Viertel etabliert, mit Cafés, Restaurant, Imbissbuden und kleinen Geschäften. Nicht weit vom Zentrum Ilidžas lässt sich über Brücken die Bosna überqueren. Am anderen Ufer erstreckt sich der Kurpark, ein beliebtes Reiseziel während der Ära der k. u. k. Monarchie. Derzeit besinnt man sich auf sein austro-ungarisches Erbe und renoviert die ehemaligen Kurhotels. Das Hotel Kristal, ehemals Hotel Herzegowina, hat jetzt schon den beinahe-modernen Charme eines Interhotels von 1989 erreicht. Weiter nördlich im Park liegen die Überreste eines römischen Badehauses relativ unbeachtet herum. Der Name Ilidža leitet sich aus einer Bezeichnung für warme Quellen aus Osmanischer Zeit ab, der Kurort war aber schon im alten Rom bekannt.

Ilidža teilt sich mir Sarajevo ein Schicksal der neueren Geschichte: wie auch die Hauptstadt musste der Ort Gemeindegebiete an die Republika Srpska abtreten. Jenseits des Flughafens gibt es jetzt ein Istočna Ilidža, ein Ost-Ilidža, dass sich in Istočno Sarajevo eingliedert, zusammen mit den Stadtteilen Istočno Novo Sarajevo, Istočni Stari Grad, Pale, Trnovo und Sokolac. Im so entstandenen serbischen oder Ostteil Sarajevos leben heute eher übers Gemeindegebiet verstreut ungefähr 65.000 Menschen, während das Metropolgebiet von Sarajevo zehnmal so viele Einwohner hat. Bis vor wenigen Jahren war Istočno Sarajevo de jure sogar Hauptstadt der Republika Srpska. Sie hatte das eher provinzielle Pale abgelöst. Seit 2008 ist nun offiziell Banja Luka, wo sich seit 1998 schon das Verwaltungszentrum der Entität befindet. Entität bedeutet, dass sich zwei

Mein Lieblingsplatz ist trotzdem der Busbahnhof, wo der bosnische Kaffee nur eine KM kostet, mit Wasser aber ohne Lokum, und wo das Leben an einem vorbeieilt. Nebenan in der Pekara, der Bäckerei, gibt es frische, kleine Bureks für ebenfalls eine KM pro Stück. Noch warm aus dem Ofen, nicht vergleichbar mit den Böreks in München. Als Zwischenmahlzeit ideal, denn für ein richtiges Mittagsmahl wäre es eh viel zu heiß. Das gibt es dann lieber spät abends in der Baščaršija. So gestärkt kann man sich aber getrost mit der Tram auf die Rückreise machen…

 

6 Gedanken zu “Bosnian special: auf einen bosanska kafa mit der Tram nach Ilidža

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