Recup statt Wegwerf

Das Problem ist oft beschrieben: alleine in München werden vom Endverbraucher knapp 200.000 Einweggefäße entsorgt, darunter der höchstbeliebt Coffee-to-go-Becher. Täglich! Während sich zum Beispiel der Müll bei Kapselmaschinen durch einen einfachen Trick auf ein Minimum reduzieren lässt – nämlich einfach keine anschaffen! – ist das beim Einwegbecher schwieriger. Denn wir haben uns an den Kaffee für unterwegs gewöhnt. Morgens in der U-Bahn fällt man ohne mitgebrachtes Heißgetränk fast schon unangenehm auf.

Der Transport von Mehrweggebinden ist dagegen oft lästig. Will man wirklich den ganzen Tag mit dem Becher in der Hand verbringen? Da ist – auch wenn unser Umweltgewissen rebelliert – die Einwegvariante bequemer. Die Stadt München will jetzt 400.000 Euro in die Hand nehmen um das Bewusstsein ihrer Bürger nachhaltig auf Nachhaltigkeit umzuprogrammieren. Vier Meter große Einwegbecher sollen als Mahnmale an unser Umweltbewusstsein appellieren.

Sinnvoller wäre es von den 400.000 Euro 400.000 Mehrwegbecher zu kaufen, wie sie Recup gerade in Umlauf bringt. Das Konzept läuft bereits in Rosenheim und funktioniert in München denkbar einfach: statt im Einwegbecher kauft man seinen Kaffee im mit einem Euro bepfandeten Recup. Der kann bei jedem an das Pfandsystem angeschlossenen Partner wieder eingelöst werden. Die Reinigung übernehmen Recup oder das Partnerunternehmen. Das Wiederbefüllen soll bis 500 Mal erfolgen, bis der Becher recycelt wird. Inzwischen hat er aber 500 seiner Pappkameraden erfolgreich vertreten.

Erleichtert wird der umweltgerechte Kaffeekonsum durch eine Smartphone-App, mit der sich der nächste angeschlossen Kaffeeverkäufer oder Pfandrückgeber einfach ermitteln lässt. Unter den Bäckereiketten ist bisher nur die Bäckerei Ziegler in das Pfandsystem eingestiegen. Damit in Zukunft die Nachfrage nach dem Pfandbecher steigt muss die Zahl der Partnerunternehmen ebenfalls steigen. Ein generelles Verbot von Einwegbechern könnte das natürlich beschleunigen, doch muss der Staat wirklich alles regeln? Die Investition der 400.000 Euro in das Pfandsystem hätte ein erster Schritt bei der Vermeidung von Wohlstandsmüll sein können. Diese Chance ist verpasst. Jetzt kann es nur der umweltbewusste Kunde richten.

 

Ein Update zum Thema gibt es hier!

7 Gedanken zu “Recup statt Wegwerf

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